Lennart Nilsson

Prof. Dr. Lennart Nilsson in Leipzig

 

img-nilsson_01Im Mai 2009 veranstaltete die Deutsche Diabetes Gesellschaft ihre 44. Jahrestagung im Congess Center der Leipziger Messe. Begleitend zum Kongreß fand die Ausstellung  „Diabets mellitus – Unsichtbares sichtbar gemacht“ statt.

In dieser Ausstellung wurden dem Fachpublikum außergewöhnliche Fotos von Lennart Nilsson gezeigt, die er im Zusammenhang mit der Diabetesforschung gemacht hatte.

Prof. Nilsson zu Gast im Honorarkonsulat

Ich hatte die Ehre, Prof. Nilsson zur Eröffnungsveranstaltung am 21. Mai 2009 als schwedische Honorarkonsulin in Leipzig willkommen zu heißen und zu betreuen. Ich war sowohl von seiner Persönlichkeit als auch vom Zauber seiner Bilder sehr beeindruckt und fest entschlossen, Lennart Nilsson über den Kongreß hinaus möglichst vielen Menschen in Mitteldeutschland nahe zu bringen.

Seit meiner ersten Begegnung mit ihm blieb ich mit Lennart, vor allem aber mit seiner wundervollen Frau Catharina, im Kontakt. Ich wollte ihn für eine weitere Reise nach Leipzig begeistern. Eine große Hilfe war mir dabei Erich Kleinwächter, der beim Pharmazieunternehmen Boehringer Ingelheim viele Jahre lang mit Lennart Nilssons zusammengearbeitet hat.

Um ein so großes Projekt zu stemmen, brauchte ich natürlich Partner. Durch die Verknüpfung der Ausstellung mit der Präsentation der Neuauflage von „Ein Kind entsteht“ anläßlich der Leipziger Buchmesse konnte ich den Verlag Mosaik bei Goldmann und den Bonnier Verlag in Stockholm ins Boot holen. Voraussetzung für das Gelingen war aber der geeignete Ort, den ich in der BIO-CiTY Leipzig fand. Großzügige Unterstützung fand ich aber auch bei der Urkrostitzer Brauerei und bei Freunden die bei den Vorbereitungsarbeiten und beim Transport kräftig zupackten.

Die Ausstellung

img-nilsson_02BIO-CITY LEIPZIG ist der perfekte Ort für eine Ausstellung der Fotos von Lennart Nilsson, denn im Biotechnologisch-Biomedizinisches Zentrum treffen Wirtschaft und Forschung zusammen. Das Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie, das Fraunhofer Institut für Zelltherapie und Immunologie und die wichtigsten naturwissenschaftlichen Institute der Universität Leipzig, sowie zahlreiche Bio-Technologie-Unternehmen sind hier angesiedelt. Die Deutschen Nationalbibliothek, befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft. Die BIO CITY besitzt eine luftige und lichtdurchflutete Halle, die täglich von vielen Menschen durchquert wird, deren Arbeit in vielfältiger Weise entweder mit dem Thema oder der Arbeitstechnik Lennart Nilssons verknüpft ist.

img-nilsson_10In den Tagen, als ich die Ausstellung aufgebaut habe, wurde ich immer wieder von Mitarbeitern und Gästen des Hauses angesprochen. Sie waren von den Bildern beeindruckt und bedankten sich spontan dafür, diese Ausstellung  mit großem Bezug zu ihrer eigenen Arbeit direkt an ihrem Arbeitsplatz erleben zu können. Ein Wissenschaftler war außerordentlich beeindruckt von der Qualität der elektronenmikroskopischen Aufnahmen und brachte mir einen Ordner mit Aufnahmen, die er selbst in den 70e Jahren mit dem Elektronenmikroskop aufgenommen hatte, um zu zeigen, wie schwierig diese Technik zu beherrschen ist. Hebammen, die zur Weiterbildung in die BIO-City gekommen waren, freuten sich, dass speziell für sie die Ausstellung gestaltet wurde. Inzwischen haben auch die Schulen die Ausstellung entdeckt und kommen mit den Schulklassen zu Besuch.

Die Vorbereitung

img-nilsson_03Am 19. März vormittags gab es im Hotel ein Treffen mit Lennart Nilsson, um das „Gespräch“ am Abend vorzubereiten.

Bei der anschließenden privaten Stadtrundfahrt zeigte sich Lennart sehr an der Stadt und ihrer Geschichte interessiert.

Obwohl am Abend des 19. März über 30 Veranstaltungen gleichzeitig auf dem Programm von “Leipzig liest“ standen, kamen mehr 300 Menschen zur Vernissage.

img-nilsson_05Zur Begrüßung war die schwedische Botschafterin Ruth Jacoby angereist, die Lennarts Leistungen in einem Grußwort würdigte.

Beim Podiumsgespräch erzählte Lennart Nilsson bereitwillig über seine Kindheit und Jugend, seine erste Kamera, die ihm sein Vater schenkte, wie er gemeinsam mit ihm im Gras lag und die Welt aus der Sicht von Ameisen fotografierte.

Er erzählte von seiner Leidenschaft, bekannte Persönlichkeiten zu fotografieren und über die ernsthaften und amüsanten Seiten seiner Arbeit als königlicher Hoffotograf. Was ihm besonders am Herzen lag, war eine lange zurückliegende Reise, die er Mitte der 40er Jahre mit einer Hebamme durch Lappland gemacht hatte und die ihm den Zugang zur Geburt und später zur Entwicklung des Menschen im Mutterleib eröffnet hat. Zum Glück dolmetschte Karla Linke von der schwedischen Botschaft, die mit großem Einfühlungsvermögen ein entspanntes und nuancenreiches Gespräch möglich machte.

img-nilsson_07Gleich nach dem Gespräch war der Verkaufstisch der Buchhandlung dicht umlagert und Lennart Nilsson signierte geduldig und freundlich so lange, bis der Bestand an 70 Büchern restlos ausverkauft war und auch das letzte als Familienschatz mitgebrachte Buch seinen Namen trug.

Am Rande der Ausstellung kam es noch zu einer unerwarteten Begegnung zwischen zwei großen Fotografen: Günter Rößler, die Ikone der Aktfotografie der DDR im Gespräch mit Lennart Nilsson.

img-nilsson_09Am Ende des gelungenen Abends war Zeit für ein entspanntes Lächeln.

 

 

 

 

Am 28.01.2017 musste wir uns leider von diesem großen Mann verabschieden: Im Alter von 94 Jahren ist Lennart Nilsson gestorben.