Rolf Isenstein

Ein schwedischer Stolperstein in Leipzig

 

RolfIsenstein-PetraLöschkeIm  Juli 2012 hatte sich zum ersten Mal zum Treffen der ehemaligen Leipziger jüdischen Glaubens, die meist aus Israel oder Südamerika nach Leipzig kommen, ein schwedischer Staatsbürger angekündigt: Rolf Isenstein aus Täby bei Stockholm.
Das Treffen mit ihm war ein sehr bewegender Augenblick.

Im November 2012 kam Rolf Isenstein mit seinem Sohn Tom noch einmal in die Stadt seiner Geburt, um seinen Vater Paul Isenstein zu ehren, der im Jahre 1943 für die Sicherheit seiner Frau und seines Sohnes selbst in den Tod ging.

 

Ein „Stolperstein“ gegen das Vergessen

Am 05.11.2012 setzte der Kölner Künstler Gunter Demnig auf dem Gehweg vor der Inselstraße 9 in Leipzig einen bronzenen „Stolperstein“ mit der Inschrift:

Stolperstein Paul Heinrich Isenstein
Hier wohnte
PAUL HEINRICH
ISENSTEIN
JG. 1881
Schutzhaft 1938
Gedemütigt/Entrechtet
Flucht in den Tod
24.3.1943

 

Familie Isenstein wohnte bis 1935 in der Inselstraße 9 in Leipzig. Es war die letzte Adresse, bevor die Verfolgung Paul Isensteins mit seiner Entlassung von der Commerzbank aufgrund der Nürnberger Gesetzte begann.  Die resultierenden wirtschaftlichen Verhältnisse zwangen die Familie zum Auszug aus der Wohnung. Das war sozusagen der erste Schritt abwärts.

Leipziger Schüler rekonstruiert die Geschichte

Johannes Ebeling und Rolf IsensteinJohannes Ebeling, ein Schüler der Arwed-Roßbach-Schule hat die Geschichte der Familie Isenstein rekonstruiert und auch das nötige Geld für Verlegung des Stolpersteines zusammengetragen.

Mitschüler und Gäste hörten mit Tränen in den Augen den Vortrag über das Schicksal der Familie und stellten danach Rolf Isenstein interessiert Fragen zur Geschichte und zu Geschichten der Leipziger Juden und seinem Weg nach Schweden.

Mit der Frage eines Mädchens, ob Herr Isenstein in Schweden denn schon mal die Kronprinzessin mit eigenen Augen gesehen hätte, kehrte das Lachen in die Gesellschaft zurück.

Empfang durch Eibenstocks Bürgermeister Uwe Staab

Isenstein3Beim anschließenden Besuch der Stadt Eibenstock, in der Rolf Isenstein und seine Mutter nach dem Bombenangriff auf Leipzig Zuflucht gefunden hatten, kam es zu sehr bewegenden Begegnungen mit Menschen, die Isensteins 1944 in schwieriger Zeit unterstützt hatten.

Nachdem er schon in Leipzig vor vielen Schülern über die Situation und die Gefühle von Juden in Nazideutschland gesprochen hatte, fand  sich Rolf Isenstein auch in Eibenstock bereit, jungen Menschen  als Zeitzeuge aus seinem Leben zu berichten.

Das fiel ihm sichtlich schwer, zumal er sehr viele Jahre nicht mehr deutsch gesprochen hatte und die emotionale Belastung für ihn enorm war.

Isenstein in EibenstockDie Aufmerksamkeit, Ergriffenheit und Anteilnahme der Schüler waren für Rolf Isenstein eine wichtige Reaktion auf seinem Weg, seinem Vater Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, sich der alten Heimat ohne Furcht und Groll zu erinnern und vor allem seinem Sohn Tom seine Wurzeln zu zeigen.